Bundestag beschließt Impfpflicht

Hier im Blog habe ich schon mehrmals über die Notwendigkeit der Impfungen geschrieben. Unschlüssig war ich darüber, ob es eine Pflicht zur Impfung für Kita- und Schulkinder geben solle. Nun ist das beschlossene Sache und ich bin froh darüber. Den politischen Entscheidungen und Maßnahmen des Gesundheitsministers Spahn (CDU) stehe ich oft kritisch bis ablehnend gegenüber, doch die immer wiederauftretenden Fälle von Masern in Deutschland sind Grund genug eine Impfpflicht einzuführen.

Um nicht ständig zu wiederholen, warum ich das Thema der Wichtigkeit der Impfungen, nicht nur gegen Masern, immer wieder aufgreife, stelle ich hier meinen Artikel vom 28. April „Ja zum Impfen“ ein.

Ja zum Impfen

Vor einigen Wochen stimmte die Grüne Jugend auf ihrem Bundeskongress mit 80 Prozent Mehrheit ohne Gegenrede für die Einführung der Impfpflicht in Deutschland. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass neben den VerschwörungstheoretikerInnen und AnhängerInnen pseudowissenschaftlichen, esoterischen Gedankengutes, hauptsächlich jüngere Menschen Impfungen ablehnen, weil sie sich nicht an schwere Epedemien wie Pocken oder Kinderlähmung erinnern können. Die Grüne Jugend hat mich eines Besseren belehrt.

Ich selbst schlage mich noch mit dem dem Für und Wider einer Pflicht zum Impfen herum, bin aber absolut für das Impfen, und besonders auch für das Impfen gegen sogenannte Kinderkrankheiten, an denen aber auch Erwachene erkranken.

Meine kleine Geschichte der sogenannten Kinderkrankheiten

Mit 15 Jahren erkrankte ich schwer an Masern. Die Hausärztin kam fast täglich und ich war wochenlang bettlägrig. Alles woran ich mich aus dieser Zeit erinnere ist, dass ich mich vollkommen elend fühlte.

Kurz darauf beendete ich die Schule und begann eine Ausbildung als Kinderpflegerin. ein Beruf, den es heute nicht mehr so gibt und mit dem ich überall arbeiten konnte, wo es Kinder zu betreuen gab. Viele Jahre später holte ich Schulabschlüsse nach und schloss ein Studium ab. Aber das ist ein anderes Thema.

Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich bereits meine Berufsausbildung abgeschlossen und trat meine erste Arbeitsstelle als Kinderpflegerin auf der Infektionsstation einer Kinderklinik an. Man wollte mir den Einstieg leicht machen und drückte mir ein Bündel Kleidung in die Hand. Ich sollte einen zehnjähigen Jungen für den Transport in ein Pflegeheim einkleiden. Ich fand ein Kind vor, dass in einem Zustand war, zu dem mir nur der Begriff „erloschen“ einfiel. Ich erfuhr, dass der Junge eine Masernencephalitis durch gemacht hatte, eine Gehirnerkrankung nach Masern, die tödlich oder mit schweren bleibenden Gehirnschädigungen endet. Auf 1000 gemeldete Masernfälle kommen auch heute noch 1 bis 2 Fälle dieser Komplikation.

Auf dieser Station wurden die schwer an einer sogenannten Kinderkrankheit leidenden Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendalter aufgenommen. Kinder mit Pneunomie (Lungenentzündung) durch Masern,  ein an Keuchhusten erkrankter acht Wochen alter Säugling erhielt auf Station die Nottaufe. Zum Glück überlebte er, wie auch die anderen an Keuchhusten erkrankten Kinder, und konnte nach wochenlanger qualvoller Krankheit nach Hause entlassen werden. Immer wieder Kinder, denen es mit Windpocken oder Mumps sehr schlecht ging.  Einige Kinder mit Menengitis durch Meningokokken. Auch diese Kinder überlebten, wenn auch teilweise mit Behinderungen, die ihren weiteren Lebensweg prägen sollten.

Alle Kinder, die auf dieser Station aufgenommen wurden, waren schwer krank. Sie litten unter der Krankheit und dem Aufenthalt im Krankenhaus. Jede dieser Krankheiten kann auch heute noch genau so schlimm wie damals verlaufen. Das einzige Medikament dagegen ist Vorbeugung, also Impfung.

Kein Verständnis

Ich habe kein Verständnis für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen. Oft sind diese Eltern gut situierte und gebildete Menschen. Natürlich lieben sie ihre Kinder und wollen das Beste für sie. Aber sie hängen irgendwelchem ideologischen Unsinn an und verlassen sich darauf, dass ihre Kinder sicher im Schutz der geimpften Bevölkerung mitschwimmen. Während ich dies schreibe, spüre ich die Wut auf dieses verantwortungslose, unsoziale Verhalten in mir aufsteigen. ImpfgegnerInnen entscheiden nicht nur für sich selbst und ihre Kinder. Sie können die hochansteckenden Krankheiten in die Nachbarschaft tragen und beispielsweise Kinder, die noch zu jung zum Impfen sind, in höchste Gefahr bringen.

Ich finde es beschämend, dass durch Impfungen vermeidbare Krankheiten in Deutschland immer wieder auftreten. Möglich gemacht wird dies auch durch anthroposophisch orientierte MedizinerInnen, die sich als besonders aufklärerisch und kritisch betrachten. Sie verunsichern die Eltern, überlassen ihnen die Entscheidung und sichern sich  mit der Behauptung, sie würden nicht gegen Impfungen sein, gegen alle Eventualitäten ab.

Impfentscheidungen auf Leben und Tod

Einige Krankheiten wie z. B. Polio (Kinderlähmung) treten in Deutschland nicht mehr auf.  Die letzte Polioepedemie in ereignete sich hier 1961 mit 4 594 Poliofällen, darunter 306 Todesfällen. Noch heute leben Überlebende dieser Krankheit unter uns, teilweise mit schweren Behinderungen.  Nachdem die DDR schon 1960 die Schluckimpfung eingeführt hatte, startete im Jahr 1962 in Westdeutschland eine beispielslose,  hochwirksame Impfkampagne. Unter dem Slogan „Schluckimpfung ist süß. Kinderlähmung ist grausam“ wurden im Fernsehen regelmäßig kurze Spots mit der Aufforderung zum Impfen gezeigt. Alle Zeitungen griffen die Kampagne auf.  Die Fallzahlen an Polio sanken rapide. Die Impfquote stieg auf 90 Prozent und seit 1990 gilt Deutschland als frei von Polio.

Die Kinderkrankheiten wie Masern und Keuchhusten sind zwar hoch ansteckend, haben aber nicht die gleiche hohe Rate an Todesfällen wie die, in Deutschland nicht mehr vorkommenden, Infektionskrankheiten wie beispielsweise Diphterie oder Pocken. Das scheint die ImpfgegnerInnen sorglos zu machen. Sie gehen teilweise davon aus, dass durchgemachte Infektionskrankheiten ihre Kinder stärken und ihre  Entwicklung fördern. Sie irren sich. Sie setzen ihre Kinder einer unnötigen Quälerei mit ungewissem Ausgang aus.

Impfpflicht ja oder nein?

Ich bin aktive Grüne und weiß, dass auch die meisten Eltern in dieser Partei ihre Kinder impfen lassen.  Es ist ein Gerücht, dass die Grünen sich bisher noch nicht für eine Impfpflicht ausgesprochen haben, um nicht ihre WählerInnenschaft zu verprellen. Ich selbst setze im Moment noch auf die Vernunft. Sollte aber diese aber nicht endlich flächendeckend einsetzen, würde auch ich für eine Impfpflicht stimmen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/gueltig-ab-1-maerz-2020-bundestag-beschliesst-masern-impfpflicht/25228400.html

Kein Al-Quds-Marsch in Berlin

 

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Am 1. Juni 2019 findet wieder der alljährliche Al-Quds-Marsch in Berlin statt. Dies zu einer Zeit, in der der stets vorhandene Antisemitismus stetig ansteigt. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, riet vor einigen Tagen den Juden in Berlin, nicht mit einer Kippa durch Berlin zu laufen. Diesen Rat nahm er nun zurück, da er viel Kritik deswegen einstecken musste.

Herr Klein hat nicht den Juden Ratschläge zu geben. Vielmehr ist es seine Aufgabe die JudenfeindInnen im Blick zu haben und gegen Antisemitismus zu arbeiten.

Im Iran ist der Al Quds-Tag  ein Feiertag und wird dort als Staatsakt am Ende des Ramadan gfeiert.  Er wurde dort 1979 im Zuge der islamischen Revolution eingeführt.  Ziel der Al-Quds Bewegung und des Marsches ist die Vernichtung Israels.

Das diese Veranstaltung in Berlin noch immer stattfinden darf, ist nicht zu fassen. Es gibt die Gegendemo, und ich hoffe auf eine stärkere Beteiligung als in den Vorjahren.

https://www.facebook.com/events/1088623221321056/

 

 

 

 

 

Ja zum Impfen

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Vor einigen Wochen stimmte die Grüne Jugend auf ihrem Bundeskongress mit 80 Prozent Mehrheit ohne Gegenrede für die Einführung der Impfpflicht in Deutschland. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass neben den VerschwörungstheoretikerInnen und AnhängerInnen pseudowissenschaftlichen, esoterischen Gedankengutes, hauptsächlich jüngere Menschen Impfungen ablehnen, weil sie sich nicht an schwere Epedemien wie Pocken oder Kinderlähmung erinnern können. Die Grüne Jugend hat mich eines Besseren belehrt.

Ich selbst schlage mich noch mit dem dem Für und Wider einer Pflicht zum Impfen herum, bin aber absolut für das Impfen, und besonders auch für das Impfen gegen sogenannte Kinderkrankheiten, an denen aber auch Erwachene erkranken.

Meine kleine Geschichte der sogenannten Kinderkrankheiten

Mit 15 Jahren erkrankte ich schwer an Masern. Die Hausärztin kam fast täglich und ich war wochenlang bettlägrig. Alles woran ich mich aus dieser Zeit erinnere ist, dass ich mich vollkommen elend fühlte.

Kurz darauf beendete ich die Schule und begann eine Ausbildung als Kinderpflegerin. ein Beruf, den es heute nicht mehr so gibt und mit dem ich überall arbeiten konnte, wo es Kinder zu betreuen gab. Viele Jahre später holte ich Schulabschlüsse nach und schloss ein Studium ab. Aber das ist ein anderes Thema.

Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich bereits meine Berufsausbildung abgeschlossen und trat meine erste Arbeitsstelle als Kinderpflegerin auf der Infektionsstation einer Kinderklinik an. Man wollte mir den Einstieg leicht machen und drückte mir ein Bündel Kleidung in die Hand. Ich sollte einen zehnjähigen Jungen für den Transport in ein Pflegeheim einkleiden. Ich fand ein Kind vor, dass in einem Zustand war, zu dem mir nur der Begriff „erloschen“ einfiel. Ich erfuhr, dass der Junge eine Masernencephalitis durch gemacht hatte, eine Gehirnerkrankung nach Masern, die tödlich oder mit schweren bleibenden Gehirnschädigungen endet. Auf 1000 gemeldete Masernfälle kommen auch heute noch 1 bis 2 Fälle dieser Komplikation.

Auf dieser Station wurden die schwer an einer sogenannten Kinderkrankheit leidenden Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendalter aufgenommen. Kinder mit Pneunomie (Lungenentzündung) durch Masern,  ein an Keuchhusten erkrankter acht Wochen alter Säugling erhielt auf Station die Nottaufe. Zum Glück überlebte er, wie auch die anderen an Keuchhusten erkrankten Kinder, und konnte nach wochenlanger qualvoller Krankheit nach Hause entlassen werden. Immer wieder Kinder, denen es mit Windpocken oder Mumps sehr schlecht ging.  Einige Kinder mit Menengitis durch Meningokokken. Auch diese Kinder überlebten, wenn auch teilweise mit Behinderungen, die ihren weiteren Lebensweg prägen sollten.

Alle Kinder, die auf dieser Station aufgenommen wurden, waren schwer krank. Sie litten unter der Krankheit und dem Aufenthalt im Krankenhaus. Jede dieser Krankheiten kann auch heute noch genau so schlimm wie damals verlaufen. Das einzige Medikament dagegen ist Vorbeugung, also Impfung.

 

Kein Verständnis

Ich habe kein Verständnis für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen. Oft sind diese Eltern gut situierte und gebildete Menschen. Natürlich lieben sie ihre Kinder und wollen das Beste für sie. Aber sie hängen irgendwelchem ideologischen Unsinn an und verlassen sich darauf, dass ihre Kinder sicher im Schutz der geimpften Bevölkerung mitschwimmen. Während ich dies schreibe, spüre ich die Wut auf dieses verantwortungslose, unsoziale Verhalten in mir aufsteigen. ImpfgegnerInnen entscheiden nicht nur für sich selbst und ihre Kinder. Sie können die hochansteckenden Krankheiten in die Nachbarschaft tragen und beispielsweise Kinder, die noch zu jung zum Impfen sind, in höchste Gefahr bringen.

Ich finde es beschämend, dass durch Impfungen vermeidbare Krankheiten in Deutschland immer wieder auftreten. Möglich gemacht wird dies auch durch anthroposophisch orientierte MedizinerInnen, die sich als besonders aufklärerisch und kritisch betrachten. Sie verunsichern die Eltern, überlassen ihnen die Entscheidung und sichern sich  mit der Behauptung, sie würden nicht gegen Impfungen sein, gegen alle Eventualitäten ab.

Impfentscheidungen auf Leben und Tod

Einige Krankheiten wie z. B. Polio (Kinderlähmung) treten in Deutschland nicht mehr auf.  Die letzte Polioepedemie in ereignete sich hier 1961 mit 4 594 Poliofällen, darunter 306 Todesfällen. Noch heute leben Überlebende dieser Krankheit unter uns, teilweise mit schweren Behinderungen.  Nachdem die DDR schon 1960 die Schluckimpfung eingeführt hatte, startete im Jahr 1962 in Westdeutschland eine beispielslose,  hochwirksame Impfkampagne. Unter dem Slogan „Schluckimpfung ist süß. Kinderlähmung ist grausam“ wurden im Fernsehen regelmäßig kurze Spots mit der Aufforderung zum Impfen gezeigt. Alle Zeitungen griffen die Kampagne auf.  Die Fallzahlen an Polio sanken rapide. Die Impfquote stieg auf 90 Prozent und seit 1990 gilt Deutschland als frei von Polio.

Die Kinderkrankheiten wie Masern und Keuchhusten sind zwar hoch ansteckend, haben aber nicht die gleiche hohe Rate an Todesfällen wie die, in Deutschland nicht mehr vorkommenden, Infektionskrankheiten wie beispielsweise Diphterie oder Pocken. Das scheint die ImpfgegnerInnen sorglos zu machen. Sie gehen teilweise davon aus, dass durchgemachte Infektionskrankheiten ihre Kinder stärken und ihre  Entwicklung fördern. Sie irren sich. Sie setzen ihre Kinder einer unnötigen Quälerei mit ungewissem Ausgang aus.

 

Impfpflicht ja oder nein?

Ich bin aktive Grüne und weiß, dass auch die meisten Eltern in dieser Partei ihre Kinder impfen lassen.  Es ist ein Gerücht, dass die Grünen sich bisher noch nicht für eine Impfpflicht ausgesprochen haben, um nicht ihre WählerInnenschaft zu verprellen. Ich selbst setze im Moment noch auf die Vernunft. Sollte aber diese aber nicht endlich flächendeckend einsetzen, würde auch ich für eine Impfpflicht stimmen.

Die weiße Rose

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Heute vor 76 Jahren

Am 22. Februar 1943 wurden Sophie Scholl, 21 Jahre alt, Hans Scholl, 24, und Christoph Probst, 23 Jahre alt, nach dem Todesurteil des damaligen Volksgerichtshofes durch Enthauptung ermordet. Die drei jungen StudentInnen gehörten zum Kern der „Weißen Rose“, einer Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus.

Es ist noch nicht so lange her

Je älter ich werde, um so mehr verändert sich mein Blick auf Zeitläufe. Ich wurde 1952 geboren. Nur sieben Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus und nach dem zweiten Weltkrieg. Nur neun Jahre nach der Ermordung der Mitglieder der weißen Rose. Ich wurde in Westdeutschland geboren, habe keine Verfolgung erlebt, keine lebensbedrohende Armut und keine Zerstörung des Landes in dem ich lebe. Auch  wurde ich nie einem politischem Druck ausgesetzt, anderen Menschen zu schaden. Das sind Privilegien, unabhängig davon, ob ein Leben durch viele andere Faktoren leicht oder schwer zu bewältigen ist.

Und jetzt?

Jetzt sitze ich vor meinem PC und schreibe einen Artikel für meinen Blog. Ein Geschehen, das zum Zeitpunkt meiner Geburt nicht vorstellbar gewesen wäre. Nicht vorstellbar für mich war aber auch lange Zeit meines Erwachsenenlebens, dass Freiheit und Demokratie in der westlichen Welt instabil sein könnten. Heute sitzt in Deutschland eine Partei in den Parlamenten, die in der faschistischen Tradition steht. In vielen europäischen Ländern ist Rechtspopulismus eine Selbstverständlichkeit geworden. Der nie ausgestorbene Antisemitismus wird immer offener ausgelebt. Islamistischer Terror bedroht die Sicherheit in großen Teilen der Welt. Kriege, Diktaturen und Hungersnöte bestehen weltweit nach wie vor. Die Veränderung des Klimas trägt auch nicht zur Verbesserung der Lage bei.

Was können wir tun?

Dazu fällt mir Einiges ein. Nur dann würde ich ins Moralisieren kommen.

Jetzt in diesem Augenblick gedenke ich der Mitglieder der weißen Rose, die so jung sterben mussten, weil sie das richtige taten in einer Zeit, in der alles falsch war. Sie waren einige wenige unter Millionen Menschen, die wegen einer falschen Sache, nämlich Größenwahn, Verlogenheit und Hass sterben mussten.

 

 

 

Cooler Vater? Schlechte Mutter?

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Cooler Vater?

Clint Lukas hat eine Kolumne im Tagesspiegel. Dort berichtet er jeden Sonnabend darüber, wie er sein Leben als Teilzeitvater der Tochter Wanda, sein Liebesleben und rauschhafte Wochenenden als Clubgänger in Einklang zu bringen versucht.

Wanda ist noch im Kitatalter. Leider ist sie aus ihrer Kita entlassen wurden, weil ihr Vater zu viele Interna über eben diese Kita im Tagesspiegel ausgeplaudert hat. Clint Lukas ist geschieden und sehnt sich nach einer neuen Beziehung. Über eine Onlineplattform und bei seinen Clubgängen lernt er Frauen kennen, bei denen es manchmal zu mehrtägigen oder mehrwöchigen Beziehungen kommt. Wanda lernt einige dieser Frauen kennen, und es entstehen Anfänge einer Bindung zu ihnen.

Da Wanda keine Kita mehr besucht, ist sie jetzt häufiger mit ihrem Vater zusammen, der am Wochenanfang meistens mit den Folgen des Wochenendes zu kämpfen hat. Wanda bemerkt das und es entspannt sich eines Montags folgender Dialog: „Papa, warum bist Du so kaputt?“ „Weil ich am Wochenende ganz viele Drogen genommen habe.“ „Was sind Drogen?“ „Wie Medizin, nur andersrum.“

Clint Lukas erklärt seiner Tochter, dass er Drogen braucht um sich aus seinem anstrengenden Leben auszuklinken. Wanda hat volles Verständnis und schlägt vor, dass sie sich zuhause einen Film ansehen würde, damit der Vater sich ausruhen könne.

Clint Lukas ist sehr stolz auf seine Tochter und hofft: „dass sie nicht nur wegen der Trennung so schnell erwachsen geworden ist.“

Der Kindesvater verkennt, dass sich die Eltern-Kind-Rolle bereits gedreht hat. Wanda übernimmt, wie es häufig bei Kindern von labilen Suchtgefährdeten oder bereits süchtigen Eltern der Fall ist, die Verantwortung für das Zusammenleben. Sie geht noch nicht mal in die Schule und ist „so schnell erwachsen geworden.“

 

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Schlechte Mutter?

In meiner Nachbarschaft wohnt Janine Bergmann (Name geändert). Sie teilt sich das Sorgerecht für den vierjährigen Sohn Tim mit dessen Vater. Janine ist arbeitssuchend und bezieht zurzeit Hartz4.

Manchmal wird ihr alles zu viel. Sie geht am Wochenende in die Kneipe in ihrer Straße, betrinkt sich und raucht hin und wieder einen Joint. Manchmal lernt sie einen Mann kennen, den sie für eine Nacht mit nachhause nimmt. Sie versucht die Männer wegzuschicken, bevor Tim aufwacht, aber das gelingt nicht immer. Montags verschläft sie oft und bringt Tim dann mit Verspätung in die Kita. An einem dieser Montage bittet die Kitaleiterin sie in ihr Büro. Sie hält Janine das Zuspätkommen und den Alkoholgeruch vor, und droht ihr an, das Jugendamt einzuschalten, falls das so weitergehen würde.

Janine liebt ihren Sohn und beschäftigt sich viel mit ihm, aber sie weiß, dass sie als schlechte Mutter angesehen wird. Janine hat niemanden, mit dem sie darüber reden kann. Sie bezeichnet sich selbst auch als schlechte Mutter.

Die Große Koalition und die Duldung der Armut

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Dies ist ein überarbeiteter Artikel zu den Themen Alterarmut und Grundrente  zu denen ich hier im Blog schon mehrere Artikel geschrieben habe.

In wenigen Tagen darüber entschieden unter welchen Voraussetzungen, Menschen mit einer Minrente eine Grundrente von ca 950 Euro gewährt wird

Ein neues Konzept für eine Grundrente.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert ein neues Konzept für eine Grundrente. Mit der neuen Grundrente sollen Versicherte, die mindestens 35 Jahre gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, ein Alterseinkommen oberhalb der Grundsicherung erhalten – ohne Bedürftigkeitsprüfung.  Union, FDP und AfD lehnen die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung ab und wollen nur denjenigen helfen, die nach Anrechnung des gesamten Haushaltseinkommens und Vermögens (über 5.000 Euro) als anspruchsberechtigt gelten. Entsprechend klein bzw. groß ist der Kreis der Grundrentenberechtigten. Ohne Bedürftigkeitsprüfung könnten drei bis vier Millionen Menschen Grundrente beziehen, mit Prüfung nur 150.000 bis 200.000.

Der Debatte um die Bedürftigkeitsprüfung liegen zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen von Absicherung im Alter zugrunde: Während eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung im System der gesetzlichen Rentenversicherung angesiedelt ist, würde eine Grundrente mit Bedürftigkeitsprüfung innerhalb des staatlichen Fürsorgesystems, für das das Sozialhilferecht gilt, gewährt.

Im System der Rentenversicherung führen Beiträge zu Auszahlungen, unabhängig vom Partnereinkommen oder Vermögen. Die von Bundesarbeitsminister Heil vorgestellte Grundrente ist eine Versicherungsleistung, weil sie niedrige Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung um einen Zuschlag hochwertet, wenn mindestens 35 Jahre „Grundrentenzeiten“ vorliegen und das monatliche Entgelt zwischen aktuell 650 Euro und 2.600 Euro liegt. Grundsätzlich bemisst sich die monatliche Rente nach der Höhe der dafür eingezahlten Beiträge. Nach aktueller Rechtslage führt dieses Äquivalenzprinzip aber oftmals dazu, dass Versicherte mit niedrigem Einkommen trotz jahrzehntelanger Beitragszahlungen ergänzend zu ihrer Rente Grundsicherung beantragen müssen. Hier setzt die „Heil‘sche Grundrente“ an, unabhängig vom Haushaltskontext oder Sparrücklagen für das Alter.

Im Fürsorgesystem werden bedarfsgeprüfte Leistungen hingegen nur gewährt, wenn der Grundsicherungsbedarf, der zum Beispiel je nach Wohnkosten unterschiedlich ist, nicht aus eigener Kraft gedeckt werden kann. Die Grundsicherungsämter würden also die jeweilige Vermögenssituation ganz genau unter die Lupe nehmen, was für Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, eine unwürdige Situation darstellt.

Der Koalitionspartner CDU hält diese Forderung für nicht umsetzbar und beruft sich auf den Koalitionsvertrag. In diesem heißt es in einem kleinen Abschnitt zu Senioren und Seniorinnen: „Sie (die SeniorInnen) sollen möglichst lange gesund und aktiv bleiben, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben und selbstbestimmt in Würde alt werden können. Dabei helfen wir auch denjenigen, die unsere besondere Unterstützung brauchen. Wir wirken Altersdiskriminierung entschieden entgegen.“

Für die CDU bedeutet, diese besondere Unterstützung ein starres Festhalten an der Sozialhilfe. Nichts anderes ist die sogenannte Bedürftigkeitsprüfung.

Wie wirken wir Altersdiskriminierung entgegen?

So simpel es sich anhört: um gesund und aktiv zu bleiben, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben und selbstbestimmt in Würde alt werden können, brauchen auch alte Menschen ein ausreichendes Einkommen. Doch die Lebenswirklichkeit vieler RentnerInnen in Deutschland sieht ganz anders aus. Eine Gemengelage aus den verfehlten Hartz-IV Gesetzen, Niedriglöhnen und mangelnder Unterstützung am Arbeitsmarkt von Menschen mit Kindern, besonders von allein erziehenden Müttern führt zu vielfacher Armut im Alter

Seit 2011 sind Zeiten des Bezuges von Sozialleistungen nach Hartz-4  nicht mehr Rentenversicherungspflichtig. Daneben gibt es keine Rentenpunkte mehr. Diese waren vorher schon bei Leistungsfall ab Arbeitslosenhilfe eher dürftig. Dennoch fehlen den Menschen die Einkommen, für eine spätere Rente. Gleiches gilt auch, wenn die Versicherten und Betroffenen ständig wechselnde Jobs haben oder hatten. Oder wer aus einer festen Anstellung in einen Zeitarbeitsjob gerutscht ist, der viel schlechter bezahlt wurde, als der vorherige Job. Damit fehlt wieder Geld für die spätere Rente.

Immer mehr RentnerInnen stehen bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel an. Laut Bundesverband der Tafeln in Deutschland hat sich die Zahl der bedürftigen SeniorInnen binnen zehn Jahren verdoppelt. Der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl sagte in einem Interview: „Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen.“

Die Duldung von Armut in Deutschland ist ein Skandal

Die RentnerIn in der Warteschlange zur Tafel ist eine Zeugin politischen Versagens. Deutschland ist gnadenlos zu seinen Menschen, die im Alter von einer Minirente leben müssen. Ein alleinstehender Mensch erhält eine Grundsicherung von 416,00 Euro im Monat und die Übernahme der Miete, soweit sie den Behörden angemessen scheint. Damit ist tatsächlich der notwendigste Bedarf gedeckt. Doch was bedeutet dies im Alltag der alten Menschen?

Es heißt nun, bis an das Lebensende mit dem sorgenvollen Blick auf den kleinen Etat beschäftigt zu sein. Urlaubsreisen, Cafebesuche, Geschenke zu Festtagen für die Enkelkinder, Bücher kaufen, Handyrechnung und vieles mehr was das Leben bereichert, erfreut oder leichter macht, fällt aus oder trägt dazu bei, dass am Essen gespart werden muss.  Zur Tafel zu gehen ist für alte Menschen keine Lösung, sondern eine Zumutung.

Die SPD muss endlich Stärke zeigen

Wird die SPD endlich mal Stärke zeigen, oder sich wieder sich als schwache  Koalitionspartnerin zeigen und einem schlechten Kompromiss zustimmen?  Die Altersarmut muss beendet werden. Mit einer Grundrente oder mit einem spürbaren Zuschlag für alte Menschen in der Grundsicherung. Dieses aus der Erkenntnis heraus, dass das Leben im Alter mühseliger wird und dem Wissen, dass auch die Mehrzahl der Menschen mit einer kleinen Rente viele Jahre lang gearbeitet haben und/ oder Kinder aufgezogen haben. Damit alle Menschen selbstbestimmt und in Würde alt werden können.

Die Duldung von Armut in Deutschland ist ein Skandal. Eine Rentnerin in der Warteschlange zur Tafel ist eine Zeugin politischen Versagens. Deutschland ist gnadenlos zu seinen Menschen, die im Alter von einer Minirente leben müssen. Ein alleinstehender Mensch erhält eine Grundsicherung von 416,00 Euro im Monat und die Übernahme der Miete, soweit sie den Behörden angemessen scheint. Damit ist tatsächlich der notwendigste Bedarf gedeckt. Doch was bedeutet dies im Alltag der alten Menschen?

Es heißt nun, bis an das Lebensende mit dem sorgenvollen Blick auf den kleinen Etat beschäftigt zu sein. Urlaubsreisen, Cafebesuche, Geschenke zu Festtagen für die Enkelkinder, Bücher kaufen, Handyrechnung und vieles mehr was das Leben bereichert, erfreut oder leichter macht, fällt aus oder trägt dazu bei, dass am Essen gespart werden muss. Sind die Tafeln hier die Lösung?

Zur Tafel zu gehen ist für alte Menschen keine Lösung, sondern eine Zumutung. Das hat nichts mit Geflüchteten oder anderen Menschen mit nichtdeutschen Pass zu tun, sondern ausschließlich mit einer Politik, die darauf baut, dass die Alten ihr Schicksal schweigend hinnehmen.

Im Koalitionsvertrag heißt es in einem kleinen Abschnitt zu Senioren und Seniorinnen: „Sie (die SeniorInnen) sollen möglichst lange gesund und aktiv bleiben, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben und selbstbestimmt in Würde alt werden können. Dabei helfen wir auch denjenigen, die unsere besondere Unterstützung brauchen. Wir wirken Altersdiskriminierung entschieden entgegen.“

Nun dann froh ans Werk GroKo. Entweder mit einer Mindestrente oder mit einem spürbaren Zuschlag für alte Menschen in der Grundsicherung. Dieses aus der Erkenntnis heraus, dass das Leben im Alter mühseliger wird und dem Wissen, dass auch die Mehrzahl der Menschen mit einer kleinen Rente viele Jahre lang gearbeitet haben und/ oder Kinder aufgezogen haben. Damit alle Menschen selbstbestimmt und in Würde alt werden können.