Ich habe Cannabis gefressen.

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Ich soll ja nichts aus dem Gebüsch fressen.

Vorgestern fing der Tag wie immer mit einem langen Morgenspaziergang an. Ich lief mit guter Laune und ohne Leine am Paul-Linke-Ufer entlang und verschwand immer mal wieder links und rechts im Gebüsch, wo allerhand Essbares zu finden ist. Da muss ich blitzschnell sein. Wenn die Bloggerin mich dabei erwischt, gibt es Schimpfe und ich muß für den Rest des Weges an die Leine. Natürlich habe ich, schnell und schlau wie ich bin, einige Kleinigkeiten gefunden und schnell hinuntergeschluckt.

Ich wurde sehr krank.

Zuhause gab es Frühstück und ich begab mich für meinen Vormittagsschlaf auf das Sofa. Irgend etwas wurde dann merkwürdig für mich. Ich kann es nicht so richtig erklären, weil ich ja ein Hund bin. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich konnte auch nicht bellen. Ich konnte und wollte  gar nichts. Nichts war mehr richtig. Meine Bloggerin las Zeitung.

Dann kam meine Professorin. Sie wohnt im gleichen Haus und ist die Herzallerliebste von meiner Bloggerin und mir. Ich freue mich immer so, wenn die Professorin kommt. Dann springe ich wild umher vor Begeisterung. Und sie freut sich weil ich mich freue, und wir knuddeln ganz viel. Das können wir mindestens zehnmal am Tag machen. Diesmal konnte ich meine Freude nicht zeigen, weil ich mich ja nicht bewegen konnte.

Ich musste zum Tierarzt.

Plötzlich waren meine Professorin und meine Bloggerin ganz aufgeregt und streichelten mich und sprachen mit mir, und boten mir Leckerli an, aber ich konnte und wollte nichts nehmen. Schließlich zogen die beiden Jacken und Schuhe an und holten die Leine. Ich stand auf, aber ich konnte nicht stehen, sondern schwankte hin und her. Die Professorin nahm mich auf den Arm und wir gingen zum Tierarzt.

Der Tierarzt untersuchte mich lange. Das lasse ich mir sonst nicht gefallen, doch diesmal konnte ich mich nicht wehren. Schließlich stand fest – ich habe Cannabis gefressen – was auch immer das sein mag. Ich erinnere mich an nichts. Schließlich bekam ich noch zwei Spritzen, wogegen ich mich auch nicht wehren konnte, und wir durften nachhause gehen. Am Abend sollten wir noch mal zur Kontrolle zu kommen.

Ich lag dann den ganzen Nachmittag bewegungslos auf dem Sofa. Am Abend dann wurde es ein wenig besser und ich konnte die 10 Minuten zum Tierarzt etwas wackelig zu Fuß gehen. Der Tierarzt sagte, es würde zwei bis drei Tage dauern, bis alles aus meinem Körper raus ist und ich darf an diesem Abend kein Abendessen bekommen. Ich hatte sowieso keinen Hunger.

Zuhause legte ich mich dann in mein Körbchen und schlief mich erstmal aus.

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Es geht mir wieder gut.

Jetzt ist wieder alles gut. Heute waren wir im Wald. Da durfte ich frei laufen. Die Bloggerin passt jetzt leider viel mehr auf und ruft mich sehr schnell zurück, wenn ich im Gebüsch verschwinde. Ich habe keine Ahnung, warum sie das macht.

 

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Welthundetag

Heute ist Welthundetag. Ich grabe und grabe und finde kein Geschenk. Aber halt, die Bloggerin geht in die Küche. Wenn ich sie nur lange genug niedlich ansehe, wird sie wohl ein Leckerlie für mich rausrücken. Hoffentlich ein großes. Weil ja heute Hundefeiertag ist.

Hund Herbst Regen

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Die letzten Monate waren oft schwer für mich. Ihr erinnert euch sicher noch an die große Hitze und das furchtbare Ding, dass meine Bloggerin in die Wohnung gestellt hat – diesen Ventilator. Das ist vorbei. Wenn wir morgens losziehen, ist es kühl. Die Bloggerin zieht eine Jacke an. Ich trage wie immer mein schönes Fell.

Letzten Sonntag hat es geregnet

Am Sonntag waren wir in der Hasenheide.  Wir hatten den Park fast für uns allein, denn es regnete in Strömen. Meine Bloggerin und ich mögen das. Der einzige Nachteil ist, dass die Wege und Wiesen jetzt nicht mehr so trocken und staubig sind. Ich wälze mich so gerne im Staub und pudere mein ganzes Fell damit ein. Herrlich! Zuhause will meine Bloggerin mich dann immer bürsten oder sogar duschen. Das will ich nicht und die Sache endet dann immer im Streit.

Der Regen pflegt mein Fell

Wir nutzen den Regen als Hundedusche. Die Bloggerin trägt eine Regenjacke mit der Kapuze tief im Gesicht. Der Regen läuft ihr über die Brille, die Gummistiefel scheuern an ihren Füßen. Die Jeans weichen durch und allmählich wird es kalt. Wir gehen nach Hause. Vor der Wohnung werde ich noch kräftig mit einem Handtuch abgerubbelt und dann darf ich mich auf das Sofa legen und die Wohnung mit einem schönen Duft nach nassem Hund bereichern.

 

Das Ding

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Meiner Bloggerin ist es zu heiß, um über die wirklich wichtigen Dinge zu schreiben.  Deshalb bin ich schon wieder dran und habe so die Möglichkeit über etwas zu berichten, was mir wirklich wichtig ist.

In unserer Wohnung steht seit einigen Tagen ein großes Ding. Es dreht sich hin und her und riecht weder nach Hund noch nach Mensch. Das Ding ist laut und in seiner Nähe ist es windig. Ich habe Angst vor dem Ding. Meine Bloggerin streut von Zeit zu Zeit Leckerli und Käsestückchen in die Nähe des Dings. Ich soll denken, das Ding ist lieb. Unter großer Überwindung hole ich mir dann die leckeren Sachen und verschwinde schnell wieder unter dem Schreibtisch.

Ich habe erfahren, dass ein zweites Ding bestellt worden ist. Für das Schlafzimmer, es gibt kein Entrinnen. Andererseits gibt es dann vielleicht im Schlafzimmer auch Leckerli!

Das Ding heißt Ventilator und wir müssen es behalten wegen der großen Hitze. Dieser Sommer ist viel zu heiß.

 

 

 

 

Hundstage

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Heute bin ich wieder dran. Die Bloggerin hängt im Sessel herum und stöhnt wegen der Hitze. Ich liege auf dem Boden. Heute sollte ich am Morgen die tägliche große Spazierrunde laufen. Ich habe auf halber Strecke aufgegeben und mich in den Schatten gelegt. Die Bloggerin hat dann an der Leine gezupft und versprochen, dass wir sofort nach Hause gehen. Seitdem hängen wir herum, stöhnen von Zeit zu Zeit und trinken Wasser.

Diese Tage heißen Hundstage. Das ist eine Frechheit. Kein Hund mag heiße Tage. Es soll  auch mit einem Stand der Sterne zu tun haben, die das Bild eines Hundes ergeben. Alles Quatsch  – es ist einfach zu heiß.

Patti und die allgemeine Lage

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Patti beobachtet mich während ich am PC sitze und mir die weißen Haare raufe. Ich komme einfach nicht weiter mit dem, was ich eigentlich schreiben will: Herr Seehofer, der immer noch Teil der Regierung ist. Ein Asylkompromiss, der zur Rettung der Koalition gedacht ist, nicht aber zur Rettung von Menschen. Die unglaublich schwache SPD, die jeden Kompromiss, mit dem sie ihre eigenen Ideale verrät, als Erfolg feiert.

„Lass es“, sagt Patti. „Schreib mal wieder etwas über mich. Zum Beispiel, dass ich es zur Meisterin im Fliegenfangen gebracht habe.“ Ich bezweifle zwar, dass dies der Erwähnung wert ist, aber da der Blog nun mal  „Die allgemeine Lage“ heißt, muss ich anerkennen, dass auch die Haushündin in irgendeiner Weise, die ich zu interpretieren habe, zu meiner Lage beiträgt. „Und“ so Patti „ich passe auf alles auf. Kein fremder Mensch kommt unverbellt in diese Wohnung. Unsympathische Hunde werden vom Balkon aus verbellt. Außerdem findet ja derzeit diese ominöse Fußballweltmeisterschaft statt. Da gibt es Begeisterungsschreie auf der Straße vor den Spätis. Da belle ich natürlich auch, nur damit du das nicht versäumst.“ Ich breche verzweifelt auf der Tastatur meines PC zusammen.

Patti kommt und legt ihren Kopf auf mein Bein und ich schmelze dahin. Sie hat ja so recht.  Allein ihr hinreißendes Dasein und die Tatsache, dass dreimal tägliches Spazierengehen sehr gesund sein soll, trägt zu einer guten Lage bei.

Das dreimal tägliche Spazierengehen findet meistens in Kreuzberg statt. Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

 

 

Patti

HundVor sechs Jahren zog eine fünf Monate alte Hündin bei mir ein. Jung, wild, ungestüm und mit dem festen Willen, immer so viel zu fressen wie es nur irgend geht. Sie kam aus dem Auslandstierschutz und hatte bisher weder einen Platz in einer Wohnung gehabt, noch eine Bezugsperson. Diese Faktoren hinderten sie nicht daran, sich sofort nach erstmaligem Betreten des neuen Zuhauses bei mir, mit einem kühnen Sprung aufs Sofa zu platzieren und es sich da gemütlich zu machen. Ich durfte mich dazu setzen und wurde sofort erfreut mit etlichen Liebesbekundungen wie ankuscheln, Hände lecken usw. bedacht. Kurz gesagt: sie schmiss sich an mich ran, mit dem Ziel mich zu adoptieren. Das gelang. Ich nannte Sie Patti, nach der von mir sehr verehrten Rockpoetin Patti Smith.

Ich hatte große Pläne mit Patti hinlänglich ihrer Erziehung. Sie sollte ein Hund werden, der aufs Wort hört, wachsam ist ohne unnötig zu bellen, und am besten sollte sie noch kleine Kunststücke lernen. Um diese Ziele zu erreichen, wurde sie umgehend in einem Erziehungsgrundkurs für Junghunde angemeldet. Patti war begeistert. Als engagierte Teilnehmerin animierte sie die anderen Junghunde zu geselligen wilden Jagden über das Trainingsgelände und bellte ausdauernd zu den Erklärungen der Hundetrainerin. Da es bei jedem kleinen Anflug von Gehorsam Leckerlies gab, lernte sie doch einiges und bekam sogar eine Bescheinigung über einen erfolgreich absolvierten Kurs.

Diese Bescheinigung motivierte Patti nicht dazu ihr Leben zu ändern.  Ihr größtes Hobby blieb die Futtersuche im Freien. Das hieß, einmal von der Leine gelassen verhielt sie sich zunächst sehr kooperativ, spielte mit anderen Hunden und kam zu mir wenn ich sie rief. Doch dann auf den meisten Spaziergängen kam irgendwann der Moment an dem sie kurz innehielt, mir bedauernd in die Augen blickte und blitzartig verschwand.

Ich habe jetzt eine Geschichte hinter mir, in der ich in vielen Gebüschen herumkrieche um eine Hündin zu suchen, die genüsslich Abfälle  und Vogelfutter verspeist. Eine Geschichte, in der ich auf Park- und Waldwegen stehe, mich heiser rufe und im übrigen warte und warte und warte, dass mein süßes Hündchen zu mir zurückkehrt, was es dann auch immer tut.

Während ich dies schreibe, liegt Patti lang ausgestreckt und völlig entspannt auf dem Sofa. Ich freue mich über ihr Dasein, über ihre Lebensfreude und über ihre ungebrochene Zuneigung zu mir und zu allen wohlmeinenden Menschen. Es ist ja alles schon viel besser geworden nach all den Jahren mit verschiedenen Hundetrainerinnen, mit zunehmendem Alter und mit Leckerlies bei jedem kleinen Anflug von Gehorsam.