Über das Impfen

Eingeimpft

Vor kurzer Zeit erschien das Buch von David Sieveking mit dem Titel „Eingeimpft“. Zudem kommt im September der gleichnamige Film in die Kinos.

Der Filmregisseur David Sieveking und die Komponistin von Filmmusik Jessica de Rooij sind ein Paar und haben zwei Töchter. Bald nach der Geburt des ersten Kindes muss entschieden werden, ob die Tochter mit einer Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, HiB, Polio und Hepatitis B geimpft wird. (HiB ist eine bakterielle Infektion, die Hirnhaut- und Kehlkopfentzündungen sowie Gelenkschäden verursachen kann.)

David Sieveking hat nichts dagegen, die Tochter Zaria impfen zu lassen. Erstaunlicherweise wird erst zu diesem Zeitpunkt deutlich, dass die Kindesmutter den Impfungen skeptisch gegenüber steht. Jessica de Rooij reagiert generell empfindlich auf medizinische Eingriffe und möchte ihrem Kind eventuelle Nebenwirkungen ersparen. Der Dokumentarfilmer und Autor Sieveking beginnt daraufhin seine Recherchen zum Thema Impfungen. Die Historie der Impfungen findet in seinem Buch ebenso Platz wie Interviews mit VertreterInnen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Diese entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland und berücksichtigt dabei nicht nur deren Nutzen für das geimpfte Individuum, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Die STIKO orientiert sich dabei an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin.

Sieveking interviewt MedizinerInnen, ImpfgegnerInnen, ImpfskeptikerInnen, sowie die Familie eines jungen Mannes, der seine Behinderung auf einen Impfschaden zurückführt. Gleichzeitig dokumentiert er die Diskussionen mit seiner Lebensgefährtin und hält die Fortschritte der kleinen Tochter in Wort und Film fest. Währenddessen vergeht Zeit.

Wie die ImpfgegnerInnen hoffen die Eltern von Zaria im Schutz der geimpften Menschen mitzuschwimmen, ohne jedoch selbst Verantwortung zu übernehmen. Im Jahr 2015 erkranken in Berlin 1000 Menschen an Masern. Im Februar 2015 stirbt ein Kind im Alter von anderthalb Jahren in einer Berliner Klinik an Masern. Die kleine ungeimpfte Zaria ist im gleichen Alter. Ihre Eltern sind natürlich beunruhigt über diese Situation, sind aber weiterhin bereit, der Natur ihren Lauf zu lassen und auf eine Masernerkrankung ihres Kindes zu warten. Hier kommt eine ideologische abergläubische Haltung zum Tragen, die darauf vertraut, dass eine schwere Krankheit dem Kind einen Entwicklungsfortschritt bringt. Sieverking recherchiert derweil weiter über das Impfen, unter anderem in einem armen westafrikanischen Land. Er ist erstaunt über die Begeisterung, mit der die Eltern dort ihre Kinder impfen lassen. Er nimmt zur Kenntnis, dass die Sterblichkeit der Kinder seit Einführung der Impfungen rapide gesunken ist und bringt interessantes Filmmaterial für seine Dokumentation mit nachhause.

Zaria wird im Alter von zwei Jahren im Beisein des Filmteams gegen Masern geimpft. Kurz darauf wird die zweite Tochter geboren.

Dieses Buch ist zu lesen als eine Erzählung über die Befindlichkeiten der Familie Sieverking/ de Rooij in Bezug auf den Umgang mit dem Impfthema. Sieveking hat viel recherchiert, besonders in anthroposophischen Kreisen. Das macht ihn nicht zu einem Fachmenschen, sondern er bleibt ein Medienmensch, der versucht sein Thema auf eine Weise herauszuarbeiten, die ein breites Publikum findet. Dieses Publikum wird er finden: Gebildete, gut situierte Eltern, die sich nicht an dem spaßig unterhaltsamen Ton stören, mit dem das Thema Impfentscheidung hier diskutiert wird.

Genau das ist es, was mich am an gemeinsamen Werk von Sieverking und de Rooij (de Rooj schrieb die Filmmusik) entsetzt. Es fehlt die Ernsthaftigkeit.

Beim Impfen geht es nicht um eine Option, nicht um wohnen in Stadt oder Land, vegetarisch oder nicht, bio oder konventionell. Wer sich, wie Sieverking, mit der Geschichte der Impfungen befasst hat, muss auch sagen, worum es heute noch geht. Es geht darum, dass Kinder und Erwachsene keine schweren ansteckenden Krankheiten durchmachen und in die Gesellschaft bringen sollen, und im schlimmsten Fall geht es um Leben oder Sterben.

 

 

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Ein Gedanke zu “Über das Impfen

  1. In meiner Klasse auf dem Gymnasium war ein Junge, der schwer gehbehindert war, was eine Folge von Polyomyelitis war. Damals habe ich mich wohl schon entschlossen, dass meine Kinder auf jeden Fall geimpft werden.
    Die paar Nebenwirkungen sind besser und schneller wegzustecken als die Folgen der Krankheit.

    Gefällt 1 Person

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