Im Görlitzer Park

marijuana-3065621_640Morgens gehe ich oft mit meiner Hündin Patti in den Görlitzer Park. Entgegen der Vorstellung vieler Menschen außerhalb Kreuzbergs ist der Görli kein verkommener Flecken Erde, sondern eine große gepflegte Grünanlage. Im Sommer ist der Park so voller Menschen, dass die Hündin sich weigert, auch nur eine Pfote da hinein zu setzen. Morgens, besonders im Winter ist der Andrang nicht so groß. Doch die Hunde sind da, sie sind immer da. Freilaufende Hunde in großer Anzahl, die zur Freude ihrer sogenannten Herrchen und Frauchen, so wie ich eines bin, fröhlich herumtollen, rennen, bellen und sich ihres Lebens freuen. Für Menschen mit Hundephobie kann dieser Umstand leider unerträglich sein.

Auch die Dealer sind schon früh am Morgen da. Die Geschäfte laufen zu jeder Tageszeit gut. Jetzt decken sich Schüler, Studierende, eilige Büroangestellte, sowie junge Eltern nach der Abgabe der Kinder in die Kita, mit dem, was es im Park zu kaufen gibt, ein. Die Eltern sind an den Kindersitzen auf den Fahrrädern zu erkennen. Die Dealer sind auf einem langen lebensgefährlichen Weg hierhergekommen. Ihr Geschäft ist illegal, der behördliche Umgang mit diesem Umstand hängt davon ab, welche Parteien gerade die Stimmenmehrheit im Berliner Senat haben. Es gab eine Zeit der Nulltoleranz mit hohem Polizeiaufgebot im Park, doch jetzt befinden wir uns in einer Zeit der Toleranz. Zwar herrscht in der Auslegung der Rechtslage eine gewisse Uneindeutigkeit, doch wären wir nicht in Deutschland und auch nicht in Kreuzberg, wenn in Sachen illegalen Drogenverkaufs keine Ordnung herrschen würde. Um den geordneten Verkauf zu gewährleisten, wurden vom Bezirksamt sechs im Schichtdienst arbeitende, sogenannte Parkläufer, eingestellt. Diese sprachkundigen Männer vermitteln den Verkäufern die einzuhaltenden Regeln: kein Verkauf an Kinder und Jugendliche, keine Belästigung von Frauen, kein Spalierstehen an den Parkeingängen. Ob die Dealer diese Regeln schriftlich erhalten und unterschreiben müssen, ist mir nicht bekannt. Viele Menschen in Kreuzberg bezeichnen die Dealer als arme Menschen, die in ihrer Not nichts anderes tun können als im Park Drogen zu verkaufen. In Wirklichkeit stehen sie da weil Kundschaft vorhanden ist.

Der Verkauf von Cannabis findet in dieser Weise statt weil eine obskure Rechtslage auch sogenannte weiche Drogen vor ca. 100 Jahren zu Rauschgift erklärt hat und damit dem legalen Handel unmöglich gemacht hat. Dies gilt wie in Deutschland, in vielen Ländern und Staaten. Trotzdem ist es in Deutschland besonders leicht, mehr oder weniger preiswert, aber immer legal zu einem Rausch zu kommen. Alkohol, auch in hochprozentiger Form steht überall zur Verfügung und wird in weiten Teilen der Gesellschaft nicht nur toleriert, sondern gefördert und gefeiert.

Jetzt wird wieder über eine Freigabe von Cannabis diskutiert. Ich bin dafür, natürlich unter Beachtung des Jugendschutzes. Legalize it!

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