Raben

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Im Görlitzer Park

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Betrogen: don’t read on my dear

 

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Vor etwa einem Jahr habe ich angefangen, dieses Blog zu schreiben. Gleichzeitig stöberte ich auch in anderen Blogs herum, und es eröffnete sich eine vielseitige Welt für mich.

Die Bloggerin des Jahres 2017

Die beeindruckendsten Texte fand ich im Blog „Read on my dear, read on“ von Marie Sophie Hingst, die 2017 zur Bloggerin des Jahres gewählt wurde. Vor mir breitete sich ein Leben aus, dass exemplarisch für die deutsche Geschichte stehen konnte. Nämlich eine junge Frau, eine Jüdin, deren Groß- und Urgroßeltern ebenso wie andere Verwandte im Holocaust ermordet wurden. Eine Großmutter überlebte und wurde zur engen Vertrauten des Kindes.

Ich las über eine Kindheit in Indien, Irland und Deutschland, geprägt von Armut und Ausgrenzung, über eine junge Frau im Studium in Irland, über die Promotion und über das Leben in einem Haus am Meer mit Tieren und dem Tierarzt, ihrem geliebten Lebensgefährten. Dieser Tierarzt war schwer an Anorexie erkrankt und starb schließlich in Irland in einem Hospiz, fast zeitgleich als Hingst eine Stelle als Projektmanagerin bei Intel in Dublin begann.

Viele Geschichten der Frau Hingst handeln von Ausflügen gemeinsam mit dem Tierarzt und den Kindern ihrer Schwester,  von Familientreffen, die immer wieder von kummervollen Erinnerungen durchzogen waren und immer wieder vom Schwimmen im kalten Meer.

Sie schrieb auch davon, dass sie bereits mit 19 Jahren als Sexualberaterin in einem Slum in Dehli arbeitete, später beriet sie männliche junge Geflüchtete bei sexuellen Fragen in einer Kleinstadt in Deutschland.

Immer wieder Franz Kafka

Und es geht um Franz Kafka, immer wieder. Ich war fasziniert von ihrer innigen Beziehung zu Kafka. Bereits als der Tierarzt schon blutende Handgelenke hat, weil die dünne Haut darüber keine schützende Fettschicht mehr hat, wandelt sie mit ihm noch auf den Spuren Kafkas durch Prag.

Dies alles beschreibt Hingst in einer Sprache, die jetzt von vielen KritikerInnen als kitschig und rührselig beschrieben wird. Ich war, wie die meisten follower im Blog und bei Twitter, berührt von dieser Sprache. In vielen Kommentaren wurde sie gelobt, bestätigt, ermuntert, geliebt.

Sie hat uns alle betrogen.

Ein Blog voller Lügen mit Wahrheitsanspruch. Ihre Familie ist evangelisch. Sie hat keinen Bezug zum Judentum. Es gibt keine Verwandten, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Und doch hat sie 22 sogenannte Opferbögen ausgefüllt und an die Gedenkstätte Yad Vashem geschickt, um als Mitglied einer Opferfamilie zu gelten.

Den Tierarzt, dessen Geschichte mich sehr berührt hat, gibt es wahrscheinlich nicht. Es ist wahr, dass sie promovierte Historikerin ist und in Dublin arbeitet. Ansonsten ist wohl jede Zeile , die sie in ihrem 2013 eröffneten Blog geschrieben hat, mit Mißtrauen zu lesen.

Natürlich wurden mit der Zeit WissenschaftlerInnen und JournalistInnen aufmerksam:

Marie Sophie Hingst selbst ist sich keiner Schuld bewußt. Wenige Tage bevor der Betrug öffentlich wird, nimmt sie sich einen Anwalt und behauptet im Blog, dass es ihr nie um wahre Erlebnisse ging, sondern um die Schaffung einer besonderen Art von Literatur.

Sie fühlt sich verleumdet wie Josef K. in Kafkas „DerProzeß“

„Plötzlich also sitze ich wie Josef K. am Tisch und es ist nicht mehr an mir, sondern an Ihnen zu entscheiden, ob ich ein Lügner und Betrüger bin oder nicht. Wenn es einem passiert, dass man zum Lügner gemacht wird, aber fühlt man nur noch eines: Scham und unbedingte Hilflosigkeit.“ https://twitter.com/MlleReadOn/status/1134485136165224449

Ich habe am 31. Mai am späten Abend bei Twitter erfahren, dass die von mir verehrte Marie Sophie Hingst als Betrügerin aufgeflogen ist. Es war wie ein Schlag in die Magengrube, und ich wollte es lieber nicht glauben. Doch bei Überprüfung aller mir erreichbaren Informationen erschloss sich die Wahrheit. Es ist kafkaesk.

 

Kein Al-Quds-Marsch in Berlin

 

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Am 1. Juni 2019 findet wieder der alljährliche Al-Quds-Marsch in Berlin statt. Dies zu einer Zeit, in der der stets vorhandene Antisemitismus stetig ansteigt. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, riet vor einigen Tagen den Juden in Berlin, nicht mit einer Kippa durch Berlin zu laufen. Diesen Rat nahm er nun zurück, da er viel Kritik deswegen einstecken musste.

Herr Klein hat nicht den Juden Ratschläge zu geben. Vielmehr ist es seine Aufgabe die JudenfeindInnen im Blick zu haben und gegen Antisemitismus zu arbeiten.

Im Iran ist der Al Quds-Tag  ein Feiertag und wird dort als Staatsakt am Ende des Ramadan gfeiert.  Er wurde dort 1979 im Zuge der islamischen Revolution eingeführt.  Ziel der Al-Quds Bewegung und des Marsches ist die Vernichtung Israels.

Das diese Veranstaltung in Berlin noch immer stattfinden darf, ist nicht zu fassen. Es gibt die Gegendemo, und ich hoffe auf eine stärkere Beteiligung als in den Vorjahren.

https://www.facebook.com/events/1088623221321056/

 

 

 

 

 

Wir waren in Hasenholz

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Kennt Ihr Hasenholz?

Das ist ein kleines Dorf in der Märkischen Schweiz. Da wohnen nur 70 Menschen. Die meisten von ihnen wohnen in schönen alten Bauernhäusern. Es gibt dort kein einziges Geschäft und keine Gaststätten.  Der Lärm kommt nur von den krähenden Hähnen in der Nachbarschaft.

Ich hatte ein eigenes Haus mit Garten

Bei uns in der Reichenberger Straße in Kreuzberg war am letzten Wochenende ein Straßenfest. Weil das immer so laut ist, hatte meine Bloggerin die wunderbare Idee zu verreisen, und so kamen wir nach Hasenholz. In das letzte Haus an der Dorfstraße. Dahinter gab es nur noch Wald, Wiesen und Felder.

Wir wohnten in einem schönen Haus mit Garten. Unsere sehr nette Vermieterin wohnte gleich nebenan. Sie hat auch nicht geschimpft als ich sofort bellte, um ihren Hunden Bescheid zu geben, dass ich jetzt in diesem Garten wohne.

Weil ich außer Fliegen nichts jage und auch nicht abhaue, durfte ich frei herumflitzen. Das war toll. Das Einzige, was ein bisschen blöd war: Es lagen keine alten Lebensmittelreste in der Gegend herum, die ich heimlich essen konnte. In Kreuzberg ist das ja ganz anders. Meine Bloggerin fand das gut. Es war auch gut, weil ich dadurch auch keine Schimpfe bekommen konnte. Hasenholz ist wirklich wunderbar, aber ich soll es nicht empfehlen, weil sonst alle dahinfahren und dann ist es aus mit der Ruhe.

Zuhause

Jetzt sind wir wieder in Berlin. Hier ist es auch schön, nur nicht wenn es Straßenfest, Feuerwerk oder Demonstrationen vor der Haustür gibt. Meine Bloggerin sagt, damit müssen wir leben. Sie ist nun mal mein Mensch und ich gehe davon aus, dass sie Recht hat.

Ja zum Impfen

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Vor einigen Wochen stimmte die Grüne Jugend auf ihrem Bundeskongress mit 80 Prozent Mehrheit ohne Gegenrede für die Einführung der Impfpflicht in Deutschland. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass neben den VerschwörungstheoretikerInnen und AnhängerInnen pseudowissenschaftlichen, esoterischen Gedankengutes, hauptsächlich jüngere Menschen Impfungen ablehnen, weil sie sich nicht an schwere Epedemien wie Pocken oder Kinderlähmung erinnern können. Die Grüne Jugend hat mich eines Besseren belehrt.

Ich selbst schlage mich noch mit dem dem Für und Wider einer Pflicht zum Impfen herum, bin aber absolut für das Impfen, und besonders auch für das Impfen gegen sogenannte Kinderkrankheiten, an denen aber auch Erwachene erkranken.

Meine kleine Geschichte der sogenannten Kinderkrankheiten

Mit 15 Jahren erkrankte ich schwer an Masern. Die Hausärztin kam fast täglich und ich war wochenlang bettlägrig. Alles woran ich mich aus dieser Zeit erinnere ist, dass ich mich vollkommen elend fühlte.

Kurz darauf beendete ich die Schule und begann eine Ausbildung als Kinderpflegerin. ein Beruf, den es heute nicht mehr so gibt und mit dem ich überall arbeiten konnte, wo es Kinder zu betreuen gab. Viele Jahre später holte ich Schulabschlüsse nach und schloss ein Studium ab. Aber das ist ein anderes Thema.

Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich bereits meine Berufsausbildung abgeschlossen und trat meine erste Arbeitsstelle als Kinderpflegerin auf der Infektionsstation einer Kinderklinik an. Man wollte mir den Einstieg leicht machen und drückte mir ein Bündel Kleidung in die Hand. Ich sollte einen zehnjähigen Jungen für den Transport in ein Pflegeheim einkleiden. Ich fand ein Kind vor, dass in einem Zustand war, zu dem mir nur der Begriff „erloschen“ einfiel. Ich erfuhr, dass der Junge eine Masernencephalitis durch gemacht hatte, eine Gehirnerkrankung nach Masern, die tödlich oder mit schweren bleibenden Gehirnschädigungen endet. Auf 1000 gemeldete Masernfälle kommen auch heute noch 1 bis 2 Fälle dieser Komplikation.

Auf dieser Station wurden die schwer an einer sogenannten Kinderkrankheit leidenden Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendalter aufgenommen. Kinder mit Pneunomie (Lungenentzündung) durch Masern,  ein an Keuchhusten erkrankter acht Wochen alter Säugling erhielt auf Station die Nottaufe. Zum Glück überlebte er, wie auch die anderen an Keuchhusten erkrankten Kinder, und konnte nach wochenlanger qualvoller Krankheit nach Hause entlassen werden. Immer wieder Kinder, denen es mit Windpocken oder Mumps sehr schlecht ging.  Einige Kinder mit Menengitis durch Meningokokken. Auch diese Kinder überlebten, wenn auch teilweise mit Behinderungen, die ihren weiteren Lebensweg prägen sollten.

Alle Kinder, die auf dieser Station aufgenommen wurden, waren schwer krank. Sie litten unter der Krankheit und dem Aufenthalt im Krankenhaus. Jede dieser Krankheiten kann auch heute noch genau so schlimm wie damals verlaufen. Das einzige Medikament dagegen ist Vorbeugung, also Impfung.

 

Kein Verständnis

Ich habe kein Verständnis für Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen. Oft sind diese Eltern gut situierte und gebildete Menschen. Natürlich lieben sie ihre Kinder und wollen das Beste für sie. Aber sie hängen irgendwelchem ideologischen Unsinn an und verlassen sich darauf, dass ihre Kinder sicher im Schutz der geimpften Bevölkerung mitschwimmen. Während ich dies schreibe, spüre ich die Wut auf dieses verantwortungslose, unsoziale Verhalten in mir aufsteigen. ImpfgegnerInnen entscheiden nicht nur für sich selbst und ihre Kinder. Sie können die hochansteckenden Krankheiten in die Nachbarschaft tragen und beispielsweise Kinder, die noch zu jung zum Impfen sind, in höchste Gefahr bringen.

Ich finde es beschämend, dass durch Impfungen vermeidbare Krankheiten in Deutschland immer wieder auftreten. Möglich gemacht wird dies auch durch anthroposophisch orientierte MedizinerInnen, die sich als besonders aufklärerisch und kritisch betrachten. Sie verunsichern die Eltern, überlassen ihnen die Entscheidung und sichern sich  mit der Behauptung, sie würden nicht gegen Impfungen sein, gegen alle Eventualitäten ab.

Impfentscheidungen auf Leben und Tod

Einige Krankheiten wie z. B. Polio (Kinderlähmung) treten in Deutschland nicht mehr auf.  Die letzte Polioepedemie in ereignete sich hier 1961 mit 4 594 Poliofällen, darunter 306 Todesfällen. Noch heute leben Überlebende dieser Krankheit unter uns, teilweise mit schweren Behinderungen.  Nachdem die DDR schon 1960 die Schluckimpfung eingeführt hatte, startete im Jahr 1962 in Westdeutschland eine beispielslose,  hochwirksame Impfkampagne. Unter dem Slogan „Schluckimpfung ist süß. Kinderlähmung ist grausam“ wurden im Fernsehen regelmäßig kurze Spots mit der Aufforderung zum Impfen gezeigt. Alle Zeitungen griffen die Kampagne auf.  Die Fallzahlen an Polio sanken rapide. Die Impfquote stieg auf 90 Prozent und seit 1990 gilt Deutschland als frei von Polio.

Die Kinderkrankheiten wie Masern und Keuchhusten sind zwar hoch ansteckend, haben aber nicht die gleiche hohe Rate an Todesfällen wie die, in Deutschland nicht mehr vorkommenden, Infektionskrankheiten wie beispielsweise Diphterie oder Pocken. Das scheint die ImpfgegnerInnen sorglos zu machen. Sie gehen teilweise davon aus, dass durchgemachte Infektionskrankheiten ihre Kinder stärken und ihre  Entwicklung fördern. Sie irren sich. Sie setzen ihre Kinder einer unnötigen Quälerei mit ungewissem Ausgang aus.

 

Impfpflicht ja oder nein?

Ich bin aktive Grüne und weiß, dass auch die meisten Eltern in dieser Partei ihre Kinder impfen lassen.  Es ist ein Gerücht, dass die Grünen sich bisher noch nicht für eine Impfpflicht ausgesprochen haben, um nicht ihre WählerInnenschaft zu verprellen. Ich selbst setze im Moment noch auf die Vernunft. Sollte aber diese aber nicht endlich flächendeckend einsetzen, würde auch ich für eine Impfpflicht stimmen.